» Zitat Den echten Sammler erkennt man nicht an dem, was er hat, sondern an dem, worüber er sich freuen würde. Marc Chagall «
 
 
 
» Home

Posteröffnung ...


Die Eröffnung einer Postexpedition in Hochheim ist noch nicht mit eindeutiger Sicherheit geklärt. Es gibt jedoch einige Hinweise, die für das Jahr 1799 sprechen. Im Regensburger Zentralarchiv der Thurn und Taxischen Postverwaltung, in dem von den Anfängen bis zur Übernahme durch Preußen sehr viele noch erhalten gebliebene Dokumente aufbewahrt sind, findet sich kein Hinweis zur Bestallung eines Posthalters oder sonstige Hinweise zur Errichtung einer Postexpedition. Das erste Dokument, das von einer Posthalterei in Hochheim spricht ist ein Auszug eines Protokolles des Mainzer Domkapitels vom 23.August 1799.

Extraktus Protokolli Capituli Metropolitani Moguntini ddto Wirzbg 23ten August 1799

Conclusum. In Hinsicht der Wohlthat welcher Supplizirender Sindicus und Amtmann Schwaab dem Ort Hochheim und der dasigen Gegend vermittels der durch sein Bestreben alda errichteten Brief Spedition erwiesen hat, wird demselben die Grund Freiheit solange diese Post Expedition von ihm alda besorget wird - hirmit in Gnaden gestattet, dagegen hat sein weiteres Gesuch in Betreff der Einquartirungs Befreiung um so weniger statt, als diese nicht einmal anderen mit Haus und Gütern eingeseßenen Posthaltern und Verwaltern gestattet wird.

In fidem Unterschrift

Durch die linksrheinische Besetzung und die Kriegswirren mit Frankreich tagte der Rat in Würzburg auf relativ sicherem Gebiet seiner rechtsrheinischen Besitzungen. Hiermit erfahren wir auch den Namen des ersten Posthalters in Hochheim. Amtmann Schwab verrichtete den Postdienst anscheinend als Nebentätigkeit zu seiner Anstellung beim Domkapitel. Auch scheint er keinen Grundbesitz vorweisen zu können. Das Gesuch um Befreiung der Einquartierung von Militärs ist nur zu verständlich. Die Bevölkerung litt schon seit Jahren unter dieser Bürde. Schüler beschreibt diesen Umstand in seiner Chronik.

Niemand mochte den Frieden mit größerer Ungeduld ersehnen, als unsere Hochheimer. Gerade in diesen letzten Jahren des kleinen Krieges wurde ihnen noch am übelsten mitgespielt. Nahmen schon die Lieferungen nach Mainz, die Frohndarbeiten beim Schanzenbau auf der Mainspitze und bei Hochheim im April 1799 und die Ausbesserung der Kasteler Befestigung ihre ganze Kräfte in Anspruch, so hatten sie auch noch von den umherschwärmenden kleinen Abtheilungen beider Parteien, die sich in gegenseitigen Neckereien gefielen, schwer zu leiden. Am 3. August 1799 wurden die Franzosen von den mainaufwärts stehenden Deutschen durch Hochheim bis Kastel verfolgt. Am 13. März 1800 nahm wieder ein Trupp Kurmainzer 30 französische Grenadiere bei Hochheim gefangen, kurz, es war eine Zeit der ewigen Unruhe.
...................

Dabei sollten nun die ungeheuren Kriegsschulden getilgt werden, die in der Zeit vom 20.Oktober 1792 bis 30.April 1799 auf 10805 fl. 27 Kr. 3 Pfg. aufgelaufen waren. Nicht einmal die Zinsen konnten gedeckt werden, vielmehr kamen vom 30.April 1799 bis 3.Dezember 1806 durch die häufigen Durchmärsche und Einquartierungen der Franzosen zu den alten neue Schulden, da man die Kriegskosten dieser Zeit abermals auf 75389 fl. 55 Kr. 2 Pfg. berechnete. Schon 1784 hatte die Gemeinde 5000 fl. bei dem Hospital St. Katharina, 3000 fl. bei dem Hospital St. Alerius, 1000 fl. bei der domcapitelischen Präbend=Oberkellerei zu Mainz aufgenommen; an Abtragung dieser Kapitalien war unter so traurigen Verhältnissen gleichfalls nicht zu denken.

Diese Bitte nach Einquartierungsbefreiung wurde ihm noch abgeschlagen. Ungewöhnlich ist die Tatsache, daß er keinen Grunbesitz hatte. Die Thurn und Taxische Oberpostverwaltung legte größten Wert bei der Anstellung von neuen Posthaltern auf einen einwandfreien Leumund, sowie den Nachweis von Wohlstand. So mußte auch jeder neue Posthalter eine nicht unerhebliche Summe als Kaution hinterlegen.

Aus einer anderen Quelle geht das Jahr 1785 hervor. Postexpeditor Joseph Eduard Kunz beschreibt kurz vor oder nach seiner Pensionierung den Postort Hochheim.

Wann die hiesige Postanstalt eroeffnet wurde, ist unbekannt. Doch bestand dieselbe schon im Jahre 1785.

Das Jahr der Niederschrift ist unklar. Es dürfte aber um das Jahr 1877 liegen. Das genannte Jahr 1785 darf angezweifelt werden. Seine sonstigen Angaben z.B. über den Weinbau halten jedoch einer Überprüfung stand und sind in verschiedenen Details recht genau. Auszuschließen ist dieses Jahr aber durch ein Postorteverzeichnis des Domkapitels zu Mainz aus dem Jahr 1786. Dort erscheint Hochheim nicht als Postort. Ebenso ist keine Einzeichnung auf einer Karte, dem sogenannten Hendschel Atlas von 1776 vorgenommen.

Posthalter Schwab gibt aber in einem undatierten Schreiben an den Herzog von Nassau weitere Daten.

Schon seit 10 Jahren bin ich als Postverwalter hier in Hochheim....
Allein seit der dießseitigen Höchsten Besitznahme....
und für alles dieses habe ich nichts durch die 6 Jahre.....

Nimmt man an die „Höchste Besitznahme“ geschah 1803, als Hochheim an Nassau-Usingen fiel und rechnet 6 Jahre hinzu ergibt sich das Jahr 1809 (aus dem wohl auch das Schreiben stammt). Zieht man hiervon wieder 10 Jahre ab bleibt das Jahr 1799, falls die Angaben Schwabs stimmen.

Soweit die Geschichte. Weitere Dokumente liegen mir zur Zeit noch nicht vor. Vielleicht kann Jemand aus der Leserschaft mit „sachdienlichen Hinweisen“ die Posteröffnung eindeutig klären.

 
.:  Karl Harald Lang  /  Taunusstrasse 24a  /  65474 Bischofsheim  :.